Adolf Reichwein & der Nationalsozialismus

 

Der Pädagoge Adolf Reichwein, 1944 von den Nazis in Plötzensee hingerichtet und in der historischen Bildungsforschung bis heute gerdezu als Märtyrer verklärt, war keineswegs von Anfang an ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis und stand 1933 eben nicht in Konflikt mit den Grundideen des Nationalsozialismus. Zu diesem Schluss kommt die Pädagogin und Historikerin Dr. Christine Hohmann in ihrer Doktorarbeit, die soeben im Klinkhardt-Verlag als Buch erschienen ist. Dass der Reformpädagoge Reichwein, der bisher dem linken Spektrum der Sozialdemokratie zugerechnet wurde, "von Anfang an" konsequent im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gewesen sei, sei ein Mythos.

Die Untersuchung der Studiendirektorin a.D. Dr. Hohmann bricht mit der Reichwein verklärenden Forschung. Reichweins in der NS-Zeit in einer Volksschule durchgeführter Unterricht könne nicht als "heimlicher Widerstand" angesehen werden. Dr. Hohmann, deren Dissertation von Prof. Dr. Friedhelm Beiner Berg. Universität Wuppertal betreut wurde, zeigt auf, wie sich Reichwein im NS-Staat zielgerichtet um öffentliche Anerkennung seiner pädagogischen Arbeit bemühte und dabei die Zusammenarbeit mit NS-Gliederungen, darunter auch der SS, nicht scheute. Ihr Fazit: Adolf Reichwein trug Mitschuld am Funktionieren des NS-Staates, wobei der spätere Widerstand - er wurde Mitglied des Kreisauer Widerstandskreises gegen Hitler - nicht verkannt werde. Den Aufstieg zum "Klassiker der Pädagogik" verdanke er seiner Anhängerschaft.

Doktorvater Prof. Dr. Beiner: "Ein Meilenstein in der Reichwein-Forschung!"