Gemeinsame Arbeitstagung 21. bis 22. Oktober 2005 in Leipzig
Organisiert von Prof. Dr. Christoph Türcke Hochschule für Graphik und Buchkunst und Dr. Oliver Becker Universität Leipzig Selbst. Abteilung f. Med. Psychologie und Med. Soziologie
ReferentInnen: Elmar Brähler, Gunzelin Schmid-Noerr, Michael Schwandt, Christine Kirchhoff, Richard Klein, Rolf-Peter Warsitz, Jochen Schade, Claus-Dieter Rath, Hans-Joachim Busch, Angelika Ebrecht-Laermann
Für das Frankfurter Institut für Sozialforschung, das 1933 unter der Leitung von Max Horkheimer in die USA emigrierte, war Psychoanalyse ein integraler Bestandteil der Forschung: unerlässlich für das Wissen um psychische Prozesse und als Zugang zum gesellschaftlichen Ganzen. Viele gesellschaftstheoretische und kulturkritische Studien des Instituts wären ohne erfahrungsgesättigte psychoanalytische Begriffe nicht denkbar gewesen. Im Laufe der 30er und 40er Jahre wuchsen im Institut die Bedenken gegen Psychoanalyse. Lief die Heilung, die die psychoanalytische Praxis den Individuen in Aussicht stellte, nicht auf deren Anpassung ans Bestehende hinaus? Der Einwand der Kritischen Theorie lautete, dass der Konflikt zwischen Allgemeinem - der Gesellschaft - und Besonderem - dem Individuum - in der psychoanalytischen Therapie zu Lasten des letzteren gelöst würde. Mit Theodor W. Adorno fand dieses Misstrauen gegenüber der versöhnenden Praxis, auch der psychoanalytischen, ihren gewichtigsten und wortmächtigsten Vertreter. Eine Versöhnung mit dem Bestehenden war angesichts von Shoah, Nationalsozialismus und Exil zum unerträglichen Gedanken geworden. Kritische Theorie der Gesellschaft ist in jedem ihrer Sätze vom psychoanalytischen Denken durchdrungen, trotzdem polemisierte Adorno mit wachsender Schärfe gegen die psychoanalytische Heilbehandlung. Damit stellt sich die Frage für diese Tagung: Wie verhält sich eine Kritische Theorie der Gesellschaft heute zu einer psychoanalytischen Praxis? Und wie verhalten sich Psychoanalytiker zu einer Kritik der Gesellschaft, zur Kritik der Konstitutionsbedingungen von Subjektivität und zu einer Kritik psychoanalytischer Praxis?
Das Programm der Tagung (als PDF-Dokument)
[via Oliver Decker, Leipzig; siehe auch idw-online]