Vor der Präsidentenwahl sind die iranischen Machthaber nervös: Im Internet formiert sich eine unberechenbare Opposition
Von Jörg Lau
Ein junger Mann, der sich Hoder nennt, hat in Iran eine Medienrevolution angestoßen. Ausgerechnet in der "Islamischen Republik" - für die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen das "größte Gefängnis für Journalisten im Nahen Osten" - erblüht nun eine neue Form der Öffentlichkeit.
Diese Blüte ist das paradoxe Ergebnis einer Repressionswelle: In den letzten sechs Jahren sind in Iran über 100 Publikationen verboten worden, darunter 41 Tageszeitungen. Regimekritische Intellektuelle sehen mit verzweifeltem Stolz die Repression als Beweis unbeugsamer iranischer Freiheitsliebe. Wo sonst müssen die Herrschenden so viele Zeitungen verbieten! Wenigstens in dieser Hinsicht, sagen manche im Untergrund, sind wir Weltspitze! Dem 30-jährigen Hoder, der im wirklichen Leben Hossein Derakshan heißt, ist solcher Sarkasmus nicht fremd. Er war selbst ein Opfer der Mullahs. Vor fünf Jahren wurde die Zeitung verboten, für die er eine tägliche Internet-Kolumne schrieb. Doch Hoder schlug zurück.
weiter in der ZEIT vom 16.06.2005 Nr.25 ...
*Nachtrag*:
Der Schockwellenreiter
berichtet über die Aussperrung des Vorzeigebloggers durch die USA.